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Messfehler durch Umwelteinflüsse

G&G GmbH
2021-04-30 15:44:00 / Beratung und Informationen / Kommentare 0

Damit man die Fehler genau versteht, ist zunächst ein wenig Theorie zum grundlegenden Aufbau einer Digitalwaage erforderlich.
Mit Ausnahme der Analysenwaagen JJ-BC und JJ-BF benutzen alle G&G Waagen eine oder mehrere Wägezellen mit Dehnungsmesstreifen (Kurz: DMS) als als Messprinzip.

Die Wägezelle selbst besteht aus einem Block aus Aluminium, der sich bei der Belastung zunehmend stark verformt, wie eine Feder die bei zunehmender Belastung immer weiter zusammengedrückt wird. Auf dem Aluminiumblock befinden sich die eigentlichen Sensoren: Mehrere Dehnungsmesstreifen (Kurz: DMS), einem hauchdünnen Drahtgitter das bei zunehmender Belastung zusammengedrückt oder auseinandergezogen wird (je nach Position auf der Wägezelle). 
Von der Elektronik der Waage wird nun eine Spannung, das eigentliche Messsignal, durch diese DMS-Sensoren geleitet. Wenn sich beim Auflegen einer Last der Aluminiumblock verbiegt, verändert sich der elektrische Leitungswiderstand in den DMS-Sensoren. Je stärker die verformung, desto größer wird der elektrische Widerstand und umso mehr wird die Spannung des Messsignals abgeschwächt.
Die mehr- bis weniger stark abgeschwächte Spannung fließt zurück in die Auswertelektonik der Waage, wo aus einer Berechnung zwischen Eingang- und Ausgang die Stärke der Belastung ermittelt wird.

Die Waage kann also durch alles gestört werden, das entweder direkten Einfluss auf die Spannung des Messsignals nimmt, auf die Stärke der Verformung der Wägezelle oder auf den Widerstand zwischen Wägezelle und Auswertelektronik.

Auf dem folgenden Bild sehen sie drei verschiedene Wägezellen, die DMS-Sensoren befinden sich bei den Wägezellen unter der weißen Gummischicht:

1. Temperatur:

Wie Sie wissen, dehnt sich Metall bei Wärme aus und zieht sich bei Kälte zusammen. Mit dem bloßen Auge nicht sichtbar, aber messbar. Aus dem Grund befinden sich vor Brücken Dehnungsfugen, die Brücke kann sich verformen ohne einzustürzen oder Risse zu bekommen.
Das gleiche passiert auch im inneren der Waage. Mit dem bloßen Auge nicht sichtbar, aber messbar. In allen Bauteilen, der Wägezelle selbst sowie in allen elektronischen Bauteilen.

Grafik: Hebelwirkung im Vergleich

Je wärmer die Wägezelle wird, desto länger wir sie.
Natürlich nicht um den Fakor 5 wie in der Darstellung zur Hebelwirkung anbei (Wenn sich ein Gewicht 5 mal so weit vom Mittelunkt entfernt, kann es das 5-Fache seines Gewichts auf der anderen Seite hochheben), aber bei einer sehr empfindlichen Waage kann der längere Hebel die Messung durchaus um mehrere % verfälschen. 

Auch die elektronischen Bauteile und das Messsignal selbst wird durch die Temperatur beeinflusst.
Jeder Draht, Stecker und Kabel besitzt einen eigenen Leitungswiderstand. Diese "Grundlast" lernt die Waage im Normalfall während der Justierung kennen und wirkt sich nicht auf das Ergebnis aus. Aber: Je wärmer die Bauteile werden, desto größer wird der Widerstand der im Inneren des Bauteils entsteht. Nutzbar ist dieser Effekt z.B. bei einem digitalen Thermometer, das vom Aufbau ähnlich wie eine digitale Waage arbeitet. Der Strom fließt durch ein Kabel, je wärmer es wird, desto größer wird der Leitungswiderstand. Aus dem Unterschied zwischen Ein- und Ausgang ermittelt das Thermometer das Gewicht.
Der gleiche Effekt tritt auch in allen elektronischen Bauteilen der Waage ein, hier jedoch ungewollt. 

Beides zusammen führt dazu:
Wenn Sie ein Gewicht bei 20°C auf die Waage stellen und den Raum um 10°C erwärmen, wird die Anzeige aufgrund des „Temparaturdrifts“ weg laufen. Auf die Reproduzierbarkeit der Waage hat das keine Auswirkungen, aber die Linearität (hier ausführlicher erklärt) wird zunehmend abweichen und sich von der in dort zu sehenden Skizze mit der schwarzen Linie und dem idealen Verlauf entfernen. Wie stark die Waage abweicht, ist von Modell zu Modell unterschiedlich. 

Denn natürlich ist das Problem allen Waagenherstellern bewusst, besonders in hochwertigen Waagen gibt es verschiedene Maßnahmen der Temperaturkompensation, z.B. in dem der Temperaturverlauf gemessen und der Drift ausgeglichen wird. Günstigere Modelle, etwa unsere PLC-Baureihe, reagieren aber relativ empfindlich auf große Veränderungen von mehreren °C.
Diese Waage ist zusätzlich mit Softwarefiltern ausgestattet, die in den Werkseinstellungen langsame Gewichtsveränderungen von weniger als einem Ablesbarkeitsschritt auf einmal aus der Anzeige heraus rechnen und die Messung "glatt Bügeln". Problematisch wird, wenn die Waage zum Dosieren von z.B. Pulver verwendet wird, das in ganz feinen Mengen auf die Wägefläche rieselt. Die Waage könnte solche minimalen Gewichtsveränderungen für eine Störung halten und versehentlich ausfiltern. Daher können Sie die Stärke der Filter in mehreren Stufen anpassen und bei Bedarf komplett deaktivieren. In diesem Modus ist die PLC sehr gut zum Dosieren geeignet, aber schlecht zum Messen über einen langen Zeitraum da jetzt auch der Temperaturdrift im Display erscheint.

Messkurve des Temperaturdrifts im Verlauf von 24 Stunden auf einer PLC100BC

Vorabinfo: Ein schöner Frühlingstag mit fast 10 Sonnenstunden. Tagsüber draußen 18 °C, nachts noch frische 9°C.  Heizung im Büro: Tagsüber soll 22 °C, Nachtabsenkung von 17 Uhr bis 6:30 Uhr auf 18 °C.
Im Lager war es ein paar Grad kühler. Die Waage wurde frisch von dort geholt, ausgepackt, ohne Aklimatisierungszeit eingeschalten, in den Dosiermodus gesetzt und ohne Anwärmzeit mit 100g belastet.
Das Ergebnis wurde alle einmal die Minute über die RS232 Schnittstelle abgefragt.

Hinweis zum Diagramm: Das sieht schlimmer aus, als es ist. Die Ansicht ist vergrößert und zeigt nur die Ergebnisse zwischen 99,940g und 100,010g. Die tatsächliche Abweichung wäre auf einer 10cm hohen Skala die von 0 g bis 100g reicht so klein, dass es nicht erkennbar ist. 

Temperaturdrift bei einer Digitalwaage

Erklärung: 
Direkt nach dem Einschalten kommt es zu einer schnellen Erwärmung der Waage mit extrem starkem Temperaturdrift. Zum einen durch die Temperaturveränderung aus dem kalten Lager in das warme Büro, zum anderen, da die Waage frisch eingeschalten wurde damit bewusst der Fehler simuliert wird, wenn die im Handbuch empfohlene Anwärmzeit nicht eingehalten wird.

Die Nachtabsenkung der Heizung ist ab 17:30 Uhr aktiv. Es wird nicht sofort 18 °C kalt, aber der Raum beginnt sich abzukühlen. Zu dem Zeitpunkt an dem sich die Waage weitestgehend beruhigt hätte, beginnt die Wägezelle bereits wieder sich zusammen zu ziehen und das Gewicht anzuheben. Das ganze passiert zeitverzögert, es dauert eine Weile bis sich der komplette Aluminiumblock der Wägezelle vollständig akklimatisiert hat.

Ab 6:30 fährt die Heizung hoch, damit zum Arbeitsanfang wieder ein normales Arbeitsumfeld erreicht ist. Hinweis zum großen Sprung um 8:24 Uhr: Da bin ich ins Büro gekommen, Tür ging in 5 Metern Entfernung auf (Windschutz war bei dem Test nicht montiert). Ab ca. 11 Uhr geht es wieder so extrem schnell abwärts, da die Sonne durch das Fenster auf die davor stehende Waage scheint. Das Gehäuse heizt sich um mehr als die normale Raumtemperatur auf. 

Professionelle Labor- oder Messräume müssen klimatisiert sein und ganzjährig eine bestimmte Temperatur einhalten. Wo das nicht möglich ist:

Der Aufstellort der Waage sollte nicht vor einem Fenster mit direkter Sonneneinstrahlung auf die Waage oder neben einer Heizquelle platziert werden. Wir empfehlen die Waage mindestens 15 Min. vor der Nutzung einzuschalten, bzw je nach Modell noch länger (Siehe Handbuch der jeweiligen Waage). Als Beispiel: Unsere JJ-BFD Waagen zeigen die erfolgreiche Akklimatisierung im Display an, dies kann bei den 0,0001g Modellen mehrere Stunden dauern. Bei dieser Waage wird nach dem Anschließen an die Steckdose der Sensor permanent mit Strom versorgt, es ist nur ein Standby mit abgedunkeltem Display zum Stromsparen möglich.

Anschließend vor der eigentlichen Nutzung justieren und in Räumen mit größeren Temperaturschwankungen oder bei lang andauernden Messreihen ggf. periodisch während eines Durchgangs.

Alternativ: Baureihe JJ-BF, eine JJ-BC mit einem im Gehäuse eingebauten Justiergewicht. Bei einer Änderung von 1,5°C oder nach spätestens 3 Stunden wird die Justierung automatisch ausgelöst, mittels eines Elektromotors wird das Gewicht unter die Wägefläche gehängt und nach der Justierung wieder entfernt (Aufpreis ca. 120 €). Das hilft eine sich „einschleppende“ Abweichungen zu vermeiden.

2. Ruckler am Tisch

Besonders wenn die Sensibilität auf die höchste Stufe gestellt ist (Dosiermodus, einstellbar in vielen G&G Waagen) reagiert die Waage sofort und extrem empfindlich auf alle Erschütterungen am Arbeitsplatz. Gemeint ist kein Erdbeben, sondern wenn Sie beim Arbeiten den Tisch mit dem Arm berühren.
In dem Video der PLC und der Berührung mit einem Finger ist das recht deutlich erkennbar:
https://youtu.be/dj4NXSe4SbE?t=318

Der Ideale Untergrund der Waage ist ein professioneller Wägetisch, massiv aus Granit. Der wiegt 500kg und ist unverformbar, egal was Sie damit machen. Oder er besitzt einen zweiteiligen Aufbau, bei dem in der Tischplatte die Sie beim Arbeiten ja zwangsläufig berühren, eine zweite kleine Tischplatte eingelassen ist auf den Sie die Waage stellen.
Die besitzt eigenen Rahmen und ist nicht mit der Tischplatte verbunden, sodass gar keine Berührung zwischen dem Arbeitstisch und dem Waagentisch möglich ist. Zusätzlich ist der Wägetisch meist aus einem schweren Stein und dämpfend gelagert, damit sich Erschütterungen aus dem Boden nicht in die Waage übertragen (Letzteres brauchen 0,01g oder 0,001g Waagen noch nicht, kann aber ab 0,0001g Schritten erforderlich sein).

Kostet: 4-Stellig, haben wir nicht im Sortiment.
Oft reicht: Ein kleiner Beistelltisch / Kommode der neben der Werkbank auf der Sie arbeiten und der beim Wiegen nicht berührt wird. 

3. Einsatzort + nicht waagerechter oder weicher Untergrund

Wieder eine generelle Info für alle Waagen vorab: Eine Waage ermittelt kein Gewicht, sondern nur eine Kraft.
Als Beispiel: Wenn Sie mit ihrem Arm auf die Waage drücken, dann wiegt die Waage nicht, wie schwer Ihr Arm ist. Sondern die Waage ermittelt die Kraft, mit der Sie drücken.
Drücken Sie nur ganz leicht, zeigt die Waage weniger an als Ihr Arm wiegt. Pressen sie mit viel Kraft dagegen, zeigt die Waage viel mehr an, als Ihr Arm an Knochen, Haut und Muskeln wiegen würde.
Dabei ist egal, ob die Waage gerade auf dem Boden steht und Sie von oben dagegen drücken, oder Sie eine  hochkant stehende Waage an eine Wand pressen.

So funktioniert auch die Messung: Technisch korrekt ermitteln wir die Stärke der Kraft, mit der die Erdbeschleunigung auf den Gegenstand einwirkt.
Und so dass man es versteht: Eine Waage ermittelt wie stark die Erdanziehungskraft den Gegenstand nach unten zieht. 


Das Problem: Die Erdanziehungskraft ist nicht an jedem Ort der Welt gleich stark. Einen guten Überblick bietet diese Karte der Nasa:
https://svs.gsfc.nasa.gov/11234
Justiert sind unsere Waagen für den Einsatz in Deutschland und die hier herschenden Kräfte. Geht es um eine einfache Küchenwaage oder Personenwaage, sind die Unterschiede auch nicht so dramatisch dass der Kuchen woanders plötzlich anders schmeckt.


Aber: Präzisionswaagen mit 0,01g Schritten sollten immer am Einsatzort nach der Lieferung justiert werden, um die Waage korrekt einzustellen.

Dabei gilt: Die Erdanziehungskraft wirkt gerade nach unten, in Richtung Erdkern. Und die meisten Waagen können nur das Gewicht ermitteln, das Senkrecht von oben nach unten wirkt. 
Legen Sie den Gegenstand auf eine waagerecht ausgerichtete Waage, werden 100% der Gewichtskraft ermittelt. Drehen Sie die Waage um 90° und legen Sie einen Gegenstand drauf, fällt der Gegenstand einfach herunter ohne das die Waage irgend ein Gewicht im Display anzeigt. 

Falls sich ein Tisch nach dem Auflegen von einem 30kg schweren Paket verbiegt und dabei ein Gefälle von 1° entsteht, ermittelt die Waage diese 30kg nur noch mit 29,7kg. Der Messfehler von 300 Gramm liegt dabei nicht an der Waage. 

Normale Personenwaagen können nur auf einem harten und ebenen Boden gut arbeiten, etwa auf Fliesen im Badezimmer. Auf Teppichboden wird der Boden unter den Sensoren nachgeben und die Messung verfälschen.
Bei Plattformwaagen & Paketwaagen sollte der Packtisch möglichst robust gebaut sein, etwa mit einer Metallkonstruktion unter der Tischplatte die ein verbiegen der Holzplatte beim auflegen eines schweren Pakets verhindert.
Für Laborwaagen siehe Abschnit 3.

4. Statische Aufladung des Wägeguts

Ein sehr „gemeiner“ Fehler da vollkommen unsichtbar, der sehr große Probleme verursacht:

Den Effekt kennen Sie von einem Luftballon den Sie erst am Wollpulli reiben und dann an die Haare halten, die Haare werden vom Ballon angezogen. Halten Sie den „aufgeladenen“ Ballon über die Wägefläche, zieht die Ladung die Wägefläche nach oben, die Waage läuft in den negativen Bereich. Legen Sie den aufgeladenen Ballon auf die Waage, zieht sich der Ballon in Richtung Gehäuse nach unten. Die Waage ermittelt mehr als das eigentliche Gewicht.

Schematische Darstellung eines Wiegefehlers durch Statische Aufladung des Wägeguts

Von der reinen vorhandenen elektrostatischen Aufladung spürt man nichts, diese ist für den Menschen nicht wahrnehmbar. Nur z.B. Haie haben Sinnesorgane die darauf reagieren. Ohne die mögliche Ursache zu kennen sieht erstmal alles nach einem Defekt der Waage aus. Merken können wir nur die plötzliche Entladung einer schon stark angestauten Spannung ab ca. 2.000 V bei dem Berühren einer Türklinke als „ein gewischt bekommen“.

Je feiner die Waage das Gewicht ermitteln kann, desto schneller kommt es zu dem Problem. Bei einer Paketwaage ist egal, ob das Paket über die Wägefläche gezogen oder aufgelegt wurde. Aber besonders bei Laborwaagen mit 0,01g, 0,001g oder noch feiner die zum abwiegen von Pulver oder Granulat verwendet werden: Wenn die kleinen Körnchen beim Schütten aneinander reiben, entsteht auch hier eine statische Ladung die sich auf die Messung auswirkt. Es kommt zu starken Abweichungen in der Reproduzierbarkeit und die Ergebnisse können im Display permanent stark schwanken. Um die entstehende Aufladung aus dem Wägegut abzuführen, empfehlen wir Wägeschälchen aus Metall oder antistatischem Kunststoff.

Ab dann ist am einfachsten, die statische Ladung durch die Waage zu erden. Einen Anschluss über ein 3-Poliges Kabel mit Schukostecker gibt es z.B. bei der Baureihe JJ. Bei der sind alle Bauteile inkl. der Wägefläche mit dem Erdungsanschluss der Steckdose verbunden.

Bei Waagen ohne Stromanschluss (Batteriebetrieb) oder mit einem externen Netzteil (Die Waage ist dann nur mit einem 2-Poligen Kabel verbunden, aber nicht am Erdungs-Pol der Steckdose angeschlossen) muss sich eine Statische Ladung durch den Raum abbauen. Insbesondere bei Räumen mit Kunststoffboden (PVC, Laminat oder Kunstharzbeschichtungen) auf dem Sie in Schuhen mit Kunststoffsohle stehen, funktioniert das Umfeld wie eine Gummiisolierung um ein Stromkabel und verhindert eine natürliche Erdung. Hier helfen die für die Arbeit an sensiblen Elektrobauteilen gedachten ESD-Schutzmaßnahmen wie leitfähige Arbeitsoberflächen oder Armbänder mit Anschluss an den Erdungspol der Steckdose.

Die häufigste Ursache ist ganz leicht vermeidbar: Wenn im oben genannten Beispiel der Pulli nicht aus Wolle besteht, sondern Polyester, wird sich der ebenfalls statisch aufladen. Auch ganz ohne Ballon durch normale Bewegung. Das Display der Waage fängt an zu laufen, sobald Sie sich mit dem Ärmel der Waage nähern.

Problematisch: Kunststoffgranulat, Folien, Schaumstoff und weitere Materialien die nicht leitfähig sind.
Es ist nicht möglich darin gespeicherte statische Ladung über die Wägefläche oder ein Wägeschälchen abzuführen. Die Ladung gleicht sich langsam durch die Luftfeuchtigkeit wieder aus, doch wenn es schneller gehen muss ist der einzige Weg Probleme zu vermeiden, das Wägegut mit einem Ionisator zu "entladen". 

Bei gelegentlicher Nutzung hilft eine günstige "Antistatikpistole" (Erhältlich im HiFi-Handel, verbreitet um Staub von Schallplatten zu entfernen).
Bei größeren Mengen und häufiger Anwendung wird ein professioneller Ionisator neben der Waage abhilfe schaffen (Kostet 4-Stellig, haben wir nicht im Sortiment). 

Statische Aufladung in staubiger Umgebung

Hinweis: In diesem Abschnitt geht es nicht um Staubmengen die im normalen Haushalt anfallen, sondern um z.B. Lagerhallen in denen große Mengen Kartons verarbeitet werden, große Mengen Mehl in Mühlen oder Backstuben und Sägemehl in einer Schreinerei.

Das Problem entsteht auf die gleiche Art wie eine statische Aufladung des Wägeguts, aber die dann auftretenden Abweichungen im Ergebnis sind ähnlich den Problemen, die im nächsten Abschnitt ausführlicher beschrieben sind:
Wenn Staubpartikel durch die Luft wirbeln, kollidieren diese ständig miteinander oder prallen gegen Oberflächen. Bei diesen Zusammenstößen werden Elektronen von einem Partikel auf das andere übertragen. Sichtbar am
„Magnet-Effekt“ an Oberflächen: Bildschirme oder frisch geputzte Kunststoffflächen sind oft selbst statisch geladen und ziehen den entgegengesetzt geladenen Staub aus der Luft an wie ein Magnet oder der Klumpenbildung (Agglomeration): Unterschiedlich geladene Staubpartikel ziehen sich in der Luft gegenseitig an und bilden größere Staubflocken.

Wenn statisch aufgeladene Partikel in die Waage gelangen, können sich die Partikel auf Platinen, Kontakten oder Lötstellen absetzen. Die Ladung kann nun in die Schaltkreise abfließen, die Spannung des Messsignals wird verfälscht. Das Gerät misst quasi die statische Ladung des Staubs, anstatt nur die von der Wägezelle ausgegebene Spannung und die Waage kann um teils mehrere Messchritte "Springen". Egal, ob es sich um eine Laborwaage mit 0,001g Schritten oder eine Plattformwaage mit 1kg Schritten handelt. Zu trockene Luft begünstigt das Problem massiv, höhere Luftfreuchtigkeit sorgt dafür dass sich der Staub "Entlädt" bevor er die Waage erreicht. Aus dem Grund erhalten wir diese Reklamationen oft mit dem Hinweis "Aber nur manchmal".
Das ist dann nicht zwingend ein Wackelkontakt, sondern liegt tatsächlich am Wetter.

Abhilfe schafft eine Reinigung der Platinen und Anschlüsse mit Elektro-Reiniger.
Immun wäre nur eine staubgeschützte Waage mit IP6x

5. Elektrische oder magnetische Felder

Sie kennen den Effekt von einem Radio oder Mikrofon, neben das Sie ein Handy legen und anrufen. Die Funkstrahlung wird von der Antenne des Handys ohne Zielrichtung in alle Richtungen ausgestrahlt und im Normalfall von dem Sendemast in ein paar km Entfernung empfangen. Dabei entsteht immer, wenn die „Frequenzwelle“ auf die Antenne in den Sendemasten trifft eine Spannung, die wiederum von der Software im Sendemast verstanden und als Gesprächsdateien weitergeleitet werden.

Liegt das Handy nah an der Antenne des Radios, werden auch darin Spannungen erzeugt die den Empfang des Radiosignals stören. Es knackt und brummt hörbar im Lautsprecher.
Eine Waage besitzt keine Antenne, doch wirken sich diese Felder auf alle leitenden Bauteile wie Kabel und Sensoren aus, in allen Elektrogeräten.
Bei den meisten Geräten ist das unproblematisch, doch muss die Auswerteelektronik einer digitalen Waage zwangsläufig empfindlicher arbeiten als der Sensor im Kühlschrank, der bei offener Tür das Licht anmacht.

Digitale Messgeräte oder empfindliche Audiogeräte (Etwa das oben beschriebene Radio oder Störgeräusche die von einem Mikrofon aufgenommen werden) reagieren darauf sehr empfindlicher. Bei Waagen mit 10.000 Messchritten ist ein Messchritt üblicherweise eine Veränderung von nur 0,000001 Volt im Messsignal. Egal, ob es sich um eine Tischwaage bis z.B. 10kg mit 1g Schritten handelt, eine Laborwaage bis 100g und 0,01g Ablesbarkeit oder einer Plattformwaage mit einer Tonne Kapazität und 100g Schritten. 

Neben der weit reichenden Strahlung von Mobiltelefonen gibt es zahlreiche weitere Hochfrequenzfeldern die uns allgegenwärtig umgeben (W-Lan, Funkmaus am PC, Radiosignale...), aber meist so schwach sind, dass die keine großen Störungen verursachen. Komplett vermeiden ist deshalb sehr schwer, doch das ist uns Herstellen natürlich bewusst. Daher sorgen im Normalfall Softwarefilter dafür, das ein zwischenzeitliches „Knacken“ im Messsignal ausgefiltert und nicht im Display angezeigt wird.

Problematisch wird, wenn Sie die Waage im Dosiermodus betreiben (Alle Filter sind deaktiviert, die Waage zeigt jede Änderung im Messsignal an).
Befinden sich „strahlende“ Geräte in der Nähe, wird sich das bei der PLC und anderen Waagen mit Kunststoffgehäuse auf das Messsignal auswirken. Deren Gehäuse wird problemlos durchdrungen.

Sofern unvermeidbar: In der JJ-A und JJ-B befindet sich unter dem eigentlichen Gehäuse eine Kapsel aus Alu-Guss, in der sich die Wägezelle befindet.
Elektrische Felder in der Stärke von normalen Haushaltsgeräten stellen kein Problem dar:


Magnetische Felder verursachen ähnliche Störungen wie elektrische Felder, lassen jedoch kaum abschirmen und durchdringen Aluminium oder Stahl ohne Probleme. Magnetische Felder gehen besonders von starken Elektromotoren aus (Staubsauger, Bohrmaschinen oder speziell im Laborbereich Zentrifugen, Rührer, Rüttler...). Diese Felder entstehen nur, wenn das entsprechende Gerät eingeschaltet ist und breiten sich nur in einem sehr kurzen Abstand aus. Sofern unvermeidbar und Waage und weitere Geräte zur gleichen Zeit betrieben werden, empfehlen wir einen Abstand von etwa einem Meter.

6. Feuchtigkeit & Luftfeuchtigkeit

Direkte Wasserschäden mit großen Mengen sollten wohl jedem selbstverständlich sein, z.B. die ganze Waage ins Wasser fallen lassen. Doch auch kleinere Mengen können, an der falschen Stelle, schnell probleme verursachen.
Neben der allgemeinen Elektronik und den Kontakten von z.B. der Tastatur, die beim Drücken geschlossen werden, geht es besonders um die "saubere" Signalübertragung zwischen der Wägezelle und der Elektronik. 
Besonders betroffen sind daher Plattformwaagen, bei denen die Wägezelle in der Plattform sitzt und die Elektronik mit der "Auswerteinheit" im Display. Das Signal wird dann durch ein Kabel vom Display in die Plattform geschickt, da durch die DMS-Sensoren geleitet und dann auf ein paar anderen Kontakten wieder zurück.
Wird der Stecker nass, kann das Signal nicht mehr korrekt übertragen werden. Hier z.B. ein Bild einer betroffenen PSE-Waage, bei der auch bereits an vielen Bauteilen Rost zu erkennen war (Trotz natürlich verzinktem Stahl):

Rost an einer PSE Waage

Frisch Nass blockiert die Feuchtigkeit selbst die Signalübertragung, im späteren Verlauf wenn sich an einigen Bauteilen Korrosion an setzt. Es muss dabei kein direkter Kontakt mit Wasser bestanden haben, auch eine Nutzung unter hoher Luftfeuchtigkeit  führt früher bis später zu Problemen (Bitte achten Sie vor dem Kauf auf die Angabe zur maximalen Luftfeuchtigkeit die das gewünschte Modell aushält).
Erstes anzeichen sind ein "Zucken" der Anzeige, die Ergebnisse springen immer wieder auf und ab. Je schlechter die Signalübertragung wird, desto größer können diese Abweichungen werden bis die Waage irgendwann nur noch irgendwelche Zahlen im Display an zeigt. Das liegt dann meist daran, dass das Signal garnicht mehr durch die Wägezelle geleitet wird, sondern eine Abkürzung durch die "Pfütze" im Stecker nimmt. Das Problem kann dann auch bei normalen Tischwaagen auftreten die keinen Stecker haben, sondern die Wägezelle per verlötetem Kabel mit der Platine verbinden ist.

Für alle feuchtigkeitsrelevanten Probleme hilft:
Waage an einem warmen Ort trocknen lassen, Korrosion und Feuchtigkeit in den Kontakten selbst können durch dafür gedachte Mittel behandelt werden, etwa mit Oxidationslösender Kontaktreiniger + anschließender Spühlung eines rückstandsfrei verdunstendem Reinigers. Bitte kein Bremsenreiniger, der kann Kunststoffe, Kabel und Chips beschädigen.