Diese Anleitung ist speziell für die Anwendung zur Dosierung von kleinsten Mengen Pulver oder Flüssigkeit geschrieben, etwa für geringe Mengen an Nahrungsergänzungsmitteln, Pigmente beim Mischen von Lack & Farbe oder teure Rohstoffe für Parfüms und Kosmetika. Die hier vorgestellten Waagen richten sich für Mengen bis maximal 100g, mit einer Ablesbarkeit von einem tausendstel Gramm (0,001g Schritte). Sofern Sie eine Waage für einen ähnlichen Einsatz suchen, aber einen größeren Messbereich besitzen, oder wenn Sie für Ihre Anwendung einen anderen Einsatzbereich suchen, wenden Sie sich gern an uns.
Produktübersicht:
Die am häufigsten benutzen Geräte sind dabei die FC-50, PLC100B und die JJ100B
FC50:
Bei der Markteinführung der FC50 war die Waage dazu gedacht, dass z.B. Sammler das Gewicht Ihrer Goldmünzen und von anderen kleinen, festen Gegenständen möglichst günstig, möglichst genau ermitteln können. Das heißt: Sie legen einen Gegenstand auf die Waage, die Waage zeigt Ihnen das Gewicht als z.B. 12,345g an.
Die FC gehört für uns, zusammen mit Küchenwaagen und günstigen Taschenwaagen, zu den normalen Haushaltsprodukten und ist nicht für eine häufige Nutzung oder mehrere Stunden andauernden Messreihen ausgelegt. Sofern Sie die Waage nur z.B. 1 x täglich nutzen ist das kein Problem, doch wenn Sie mehrfach täglich etwas abwiegen, werden Sie nicht lange glücklich mit der Waage. Dafür ist die Wägezelle die wir in dieser Waage (preislich bedingt) verbauen können noch nicht ausgelegt.
Solche großen Gewichtsveränderunen klappen problemlos, aber:
Die Waage ist nicht in der Lage beim "Trickeln" die Zugabe von jedem einzelnen Pulverkörnchen anzuzeigen. Grund sind die allgegenwärtigen, unvermeidbaren Schwankungen der Umgebung. Selbst in einem scheinbar Luftruhigen Raum, können durch Atmung oder Fallwinde die entstehen wenn sich die Luft an einer kalten Fensterscheibe abkühlt und nach unten sinkt, Schwankungen entstehen. Diese machen ein Vielfaches der Ablesbarkeit der Waage aus.
Solche Einflüsse sorgen dafür, dass die Anzeige permanent schwankt und das Ergebnis im Display nie stabil angezeigt wird. Denn eine effektive Abschirmung gegen solche Einflüsse, ist in dieser Preisklasse und Bauform nicht möglich. Das gleiche gilt auch für Fehler die Entstehen durch eine statische Aufladung des Wägeguts, Strahlung von anderen Elektrogeräten in der Nähe (vergleichbar den Störgeräuschen im Radio wenn ein Handy daneben liegt), Temperatureinflüsse und kleine Ruckler am Tisch. Sie finden dazu weitere Infos hier.
Sie können die Arbeit der Filter am besten beobachten, wenn Sie zunächst aus einiger Entfernung langsam in Richtung der Waage pusten. Die Displayanzeige wird stabil bleiben. Erst wenn Sie etwas fester Pusten oder näher an die Waage herangehen, überschreitet die Kraft der auf die Wiegefläche drückenden Luft diese Grenze, der Filter wird deaktiviert und die Anzeige beginnt unkontrolliert zu tanzen (so sähe die Anzeige ohne Filter permanent aus und die Waage wäre unbenutzbar).
Das Problem: Die Waage weiß nicht, ob es sich bei einer kleinen Veränderung auf der Wiegefläche um eine Störung oder eine Messung handelt. Das macht die FC50 schlecht nutzbar beim Dosieren.
Wenn sich das aufgelegte Gewicht auf der Waage nur langsam und zugleich sehr wenig verändert, etwa beim vorsichtigen Zugeben von Pulver in eine 1g-schwere Schale, weiß die Waage nicht, dass es sich um eine gewollte Gewichtsveränderung handelt. Sie "bereinigt" kontinuierlich die Gewichtsanzeige im Display. Ein einzelnes, dazu gegebenes Milligramm wird ausgefiltert, selbst wenn dies 100 mal hintereinander (mit etwas Abstand) hinzugefügt werden würde.
Nehmen Sie die mit 100 mg befüllte Schale ab, führt die Waage eine vollständige Messung durch. Dabei registriert die Waage nicht die Abnahme von dem im Display angezeigten 1 g Gewicht der Schale, sondern von den tatsächlich aufliegenden 1,1 g.
Das Display zeigt „-1,1 g”.
Nach dem erneuten Aufsetzen der leeren Schale, erkennt die Waage das 1 g aufgelegt wurden. Sie springt nicht auf „0 g“, sondern auf „-0,1 g“. Das wirkt dann, als sei die Waage defekt und könnte das Tara nicht stabil halten, kann jedoch als Hinweis genutzt werden, dass bei der letzten Messung der genannte Fehler aufgetreten ist und dass die Ladung nochmals kontrolliert werden sollte.
Das Sie 100 mg als einzelne Körnchen einfüllen ist natürlich unwahrscheinlich, bei einer größeren Gewichtsveränderung und dem schnelleren Schütten deaktiviert sich der Filter. Doch der Fehler schaukelt sich bei mehreren Messungen zunehmend auf.
Wird dieser größer als das Mindestgewicht der Waage (bei dem noch „0,000 g“ angezeigt wird), springt die Waage irgendwann auf ein falsches Gewicht. Empfehlenswert ist daher, dass Sie nach jedem Durchgang die Waage tarieren, auch wenn bereits „0“ im Display steht. An ein Zielgewicht von 0,01 g genau kommen Sie heran.
Auch für die Feinabstimmung gibt es Wege diesen Filter zu umgehen: Wenn Sie z.B. vor dem Einfüllen von Pulver die Wiegefläche mit dem Finger antippen, springt die Waage durch die Belastung Ihres Fingers kurz auf z.B. 10 g. Der Filter ist für ein paar Sekunden deaktiviert. Wenn Sie ein Körnchen Pulver hinzufügen bevor sich die Waage eingependelt hat und den Filter aktiviert, registriert die Waage dies als neuen Wert.
Es funktioniert auch, wenn Sie vor dem Einfüllen einer kleinen Menge Pulver die Wägeschale anheben, befüllen und dann neu aufsetzen. Fehlt noch ein Körnchen, müssen Sie die Schale erneut hochheben, befüllen und dann wieder absetzen.
Komfortabel geht anders, aber es geht.
Fazit zur FC50:
Zum möglichst genauen Wiegen fester Gegenstände besitzt die FC eine sehr gute Preis-Leistung.
Zum gelegentlichen Dosieren ist die Waage ebenfalls sehr gut verwendbar, wenn Sie nur wenige male am Tag / in der Woche etwas dosieren hält sich der Mehraufwand durch das Antippen oder hochheben der Schale angesichts des deutlich günstigeren Preises in Grenzen.
Für häufiges Dosieren und das komfortablere Trickeln, würden wir dieses Modell aber noch nicht nicht empfehlen.
PLC100B: 100g/0,001g Waage mit Dosiermodus und großem Winschutz

(Foto: Größenvergleich der FC50 vorne und PLC100B hinten)
Etwa doppelt so teuer, liegen Sie dann bei unserer PLC100B-C.
Ab dieser Waage haben Sie bereits sehr viel bessere Einstellungsmöglichkeiten, z.B. eine deaktivierbare automatische Abschaltfunktion (die FC50 schaltet nach einer Minute automatisch ab) und die Möglichkeit, die in der FC50 immer aktiven Schwingungsfilter zu deaktivieren. Ihnen wird danach jede noch so kleine Veränderung im Display angezeigt. Ein gewollt hinzugefügtes Pulverkörnchen jedoch genauso wie der Druck Ihres Atems auf die Wiegefläche. Falls die komplette Deaktivierung des Filters die Waage für Ihren Einsatz und die Umgebungsbedingungen zu instabil macht, können Sie diese Schrittweisen erhöhen. Die höchste Stufe ist vergleichbar mit der FC-50.
Wenn Sie es noch nicht gesehen haben, empfehlen wir an dieser Stelle einmal unser Produktvideo zur PLC-Baureihe. Das Menü ist ab Minute 3:15 erklärt, die Änderung der Sensibilität ist dort sehr gut zu erkennen:
https://www.youtube.com/watch?v=dj4NXSe4SbE
Ausgelegt ist die PLC-Baureihe für den anspruchsvollen Privatanwender oder für einen gelegentlichen gewerblichen Einsatz.
Die PLC ist eine günstige Waage für den semiprofessionellen Einsatz und ging aus der professionellen EY-Baureihe hervor. Das Grundgerüst, bestehend aus dem Gehäuse, der Software und der Energieversorgung, entspricht dabei weiterhin der EY. Allerdings ist eine etwas schwächere Wägezelle und Auswertelektronik verbaut (den teuersten Bauteilen jeder Waage). Die Wägezelle ist ausgelegt für min. 100.000 Wiegevorgänge. Das entspricht, bei einer Nutzung von 100 Messungen pro Woche, einer theoretischen Lebensdauer von >19 Jahren. Anschließend ist die Waage nicht von jetzt auf gleich defekt, doch aufgrund der „ausleihernden“ Wägezelle können die Abweichungen zunehmend größer werden.
Diese Waage besitzt noch keine Abschirmung gegen elektrische Strahlung, doch in einem Werkraum ohne viele technische Geräte ist das meist kein Problem. Ein großer Windschutz ist im Lieferumfang enthalten.
Fazit zur PLC: Eine Waage, die besonders bei ruhigen Umgebungsbedingungen und bei gelegentlichem Einsatz, ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.
JJ100B: 110g/0,001g mit langlebiger Wägezelle und geschirmtem Metallgehäuse
Von den Funktionen sehr ähnlich zu der PLC-Baureihe mit ebenfalls einstellbarem Dosiermodus, allerdings ist die knapp doppelt so teure Waage nur noch für den stationären Einsatz gedacht. Es gibt kein Batteriefach, Betrieb nur per Netzteil. Das Gehäuse ist teilweise aus Metall, insbesondere die Wägezelle ist gekapselt.
Der direkte Unterschied zwischen PLC und JJ-B:
Rein messtechnisch liegt der Unterschied in einer hochwertigeren Wägezelle und einer Auswertelektronik, die genauer arbeitet. Das macht den größten Teil des Preisunterschieds aus. Das führt zu weniger Toleranzen sowie einer längeren Lebensdauer: Wie oft kann die Wägezelle beim Auflegen einer Last verbogen werden und nach dem Abnehmen einer Last wieder zurück federn. Die JJ-B ist für eine Lebensdauer von > 1.000.000 Messungen ausgelegt.
Deutlich merkbar wird der Unterschied besonders bei schlechten Umgebungsbedingungen, insbesondere aufgrund des Metallgehäuses zur Abschirmung von elektrischer Strahlung die sich auf das Messsignal auswirken kann (Bei den Umgebungsbedingungen ausführlicher erklärt). Sowie wenn geplant ist das Messsignal der Waage mehrfach pro Sekunde über die RS232 Schnittstelle abzufragen, hier reagiert die JJ-B schneller als die PLC.
Fazit zur JJ-B:
Merklich besser als die PLC ist die JJ-B unter schlechten Umgebungsbedingungen. Wirtschaftlich sinnvoll ist die Waage, wenn Sie sehr viel mit der Waage arbeiten und die Lebensdauer der PLC in absehbarer Zeit überschritten wird.

